demnächst

Bloc Party
+ Stars

Donnerstag   01/12 2005   20.30 h
Bielefeld, Ringlokschuppen
vvk: 21,70 €



Bloc Party

www.blocparty.com
www.tickets.de

Nein, sie haben das „k“ nicht vergessen und breakdancen nicht um brennende Ölfässer.

Und nochmal nein, sie sind auch keine Bolschewiken.

Bloc Party sind Kele, Russell, Gordon und Matt. Letzterer erklärt. "Obviously, taking the 'k' off 'block party' - something that's an American spontaneous outbreak of partying - changes the meaning." Also weckt „Bloc Party“ nicht nur Assoziationen an feiernde urbane Wohnblöcke in den Staaten, sondern ruft in seiner wörtlichen Übersetzung „Blockpartei“ auch gleichgeschaltete Kader aus dem Warschauer Pakt in Erinnerung. Wer will, kann damit schon im Bandnamen Parallelen zur Arbeit von Bloc Party entdecken: Offensichtlich das Party-Element, das sich wiederfindet im zackigen, modernen AvantRock des jungen Quartetts, der sich beim New Wave bedient und ihn, kantig, widerborstig, sperrig, aber ultimativ tanzbar fürs neue Jahrtausend aktualisiert. Und dann der A-ha!-Effekt, wenn einem die zweite Bedeutung des Namens offenbar wird. Hoppla – da steckt ja noch mehr dahinter. Die haben Köpfchen, die haben Witz, die haben Ahnung. Und man entdeckt Texte, die Wut, Furcht, Protest, Kritik in sehr schlaue und treffende Worte fassen, die Augen öffnen, die Anstöße geben, die aufrütteln.

Kein Wunder also, dass Bloc Party in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon mit all den Superlativen überhäuft wurden, mit denen die englische Presse so gerne um sich wirft. „The next most important band in rock. FACT“ plärrte der NME anläßlich ihrer EP “Banquet“, um kurz danach „As vital as the Clash in ’77, as sinister as The Specials in ‘82“ obendrauf zu setzen. „Expect to see 2005‘s debut album on the next Mercury list “ orakelte der Telegraph bereits lange, bevor an einen Longplayer zu denken war. Dazu natürlich haufenweise Vergleiche für Bloc Party als „die nächsten Franz Ferdinand“, an denen wir uns aber gar nicht lange aufhalten wollen. Okay, auch Bloc Party wurzeln im New Wave, ja, auch ihre Version von Pop ist für Kunst- und Politologiestudenten genauso spannend wie für für Teeniegirls, aber das Quartett hat den Windschatten der Franzen genauso wenig nötig wie die übereifrigen Gönner in den Britmedien. (Lieber treiben sie NME-Schreiber mit ihrer Bescheidenheit und Zurückhaltung in die Beinahe-Verzweiflung. Ein Journo schloss seinen Bericht über Bloc Party entnervt mit der Feststellung, die wüßten wohl einfach nicht, wie gut sie sind.) Die Band bezeichnet sich selbst statt dessen auf ihre Website lieber augenzwinkernd als „autonome Einheit keinesfalls ungewöhnlicher Kids, die groß wurden mit der Popkultur von 1976 bis heute, und die, wie viele andere solcher Kids, eines Tages auf den Trichter kamen, dass ihre Versuche, jene Kultur zu imitieren, auch als wertige Variation der Spielarten eben jener Vorläufer gesehen werden konnte.“

Wir wollen in einem Punkt wiedersprechen. Bloc Party sind alles andere als ‚keinesfalls ungewöhnlich‘. Schauen wir uns die vier doch nur mal an. Da ist Kele Okereke, Sänger, Jahrgang ‘81, der als seine „Informanten“ The Cure und die Pixies genauso nennt wie Basement Jaxx, Hanif Kureishi und Bret Easton Ellis. Richtig, man sollte es nicht erwähnen müssen, aber in einer Indie-Band ist ein schwarzer Frontmann ein rarer Anblick. So stellt Kele selbst schon den Bruch des ersten Klischees dar. Weiter zu Russell Lissack, Gitarre, ebenfalls Jahrgang ’81 und derjenige, der mit Kele die Band 1998 ins Leben rief. Russell entspricht schon eher dem Bild des typischen Indie-Gitarristen, als Anhänger von Suede, Radiohead, Smiths und der Smashing Pumpkins würde er mit seinem wuschigen Scheitel gut aufs Bandphoto zumindest der ersten zwei genannten Gruppen passen.

Die Rhythm Section Gordon Moakes (Bass, ’76, Hardcore, Joy Division, Kubrick, Sonic Youth) und Matt Tong (Drums, ’79, Neil Young, Black Sabbath, Fleetwood Mac (?!), Supertramp, Dinosaur Jr) letztlich vervollständigt den Kader. Beide fanden über Kleinanzeigen in Musikmagazinen in die Band und zeigen den Look, mit dem man wahrscheinlich vom Fleck weg von Steve Albini für seine neue Band engagiert wird. Will heißen: Sogar ganz oberflächlich, nach dem Äußeren betrachtet, sind Bloc Party alles andere als eine typische Gitarrenband. Klar, dass sie auch anders klingen.

„We met them and they told us that their favourite artists were Prince and Shellac, amazingly it seems like they are going to be as important at both.“ schreibt Wichita, das Label von Dick Green (einst Alan McGees rechte Hand bei Creation) und Mark Bowen, auf seiner Website. Als Ende 2003 nämlich Bloc Partys erste eigenfinanzierte Single „She’s Hearing Voices“ für Wellen sorgte, schaltete Wichita nämlich am schnellsten und nahm die Band unter Vertrag. Die Chartplatzierungen der folgenden „Bloc Party EP“ (inkl. „Banquet“), zwei weitere Top 40 – Hits mit der Singles „Little Thoughts“ und zuletzt „Helicopter“ sollten die in die Band gesetzten Hoffnungen noch im Laufe des Jahres 2004 bestätigen.

Der große Wurf kommt jedoch erst noch, Anfang 2005, in Form des Albums „Silent Alarm“. Denn hier sind sie, die dreizehn Songs, die uns die Britpresse so vollmundig angekündigt hat. Die Titel, die nicht nur die Versprechungen halten, die man sich von Bloc Party gemacht hat, sondern noch übertreffen. Wir wußten bis jetzt noch nicht, dass sie auch bewegende Balladen können („Blue Light“), vertrackte Rhythmik („Positive Tension“) und schwermütigen Gitarrenpop („This Modern Love“) . Vor allem aber ist es der Gesamteindruck, das Klangbild, das so überzeugt. „It is really colourful and has a sense of depth. I can’t remember the last album by a modern band that sounds really like it is a sonic album. We’ve made a real album of sound and texture, rather than just songs.“ freut sich Kele stolz gegenüber dem Independent, einen untypischen Moment lang die Zurückhaltung vergessend.

Das neue Jahr hat noch nicht begonnen, und schon möchte man dem oben genannten Zitat Telegraph zustimmen: Der „Mercury Music Award 2005“ – warum nicht? Wer Bloc Party in den kommenden zwölf Monaten schlagen will, wird sich strecken müssen...


Support: Stars

http://www.arts-crafts.ca/stars/

Es geht uns wie Asterix und seinem tapferen Druiden bei Kleopatra („Diese Nase“), doch wir schwärmen nicht über die exponierte Stelle in einem schönen königlichen Gesicht, wir sind einer Stimme verfallen, „Diese Stimme“. Eine Minute und vierzig Sekunden in die neue STARS Platte hinein und da kommt sie plötzlich zum Einsatz, der Himmel reißt auf, Sonnenstrahlen drängen sich ihren Weg in den Alltag... hach...! Mach mal lauter...

Dabei sind doch die gut eineinhalb Minuten zuvor bereits so großartig: schwelgerischen, zuckrigen Streicher-Arrangements jagt ein Glockenspiel hinterher, ein dick auftragendes Schlagzeug wirft schaufelweise mit Drama, Dramatik und Dramaturgie, wozu der eigentliche Boss der STARS, Torquil Campbell den Anfang der schamlos sentimentalen Geschichte von den beiden Ex-Sweethearts zu erzählen beginnt, (wo der ganze große Kitsch nebenbei auch mal eben konterkarrikiert wird von entwaffnender Trockenheit:„We drove in silence across Pont Champlain /And all of that time you thought I was sad / I was trying to remember your name.“) Aber dann kommt „Diese Stimme“ (sie hört auf den Namen Amy Millan), und, nun ja, sie trifft auf und erzeugt noch mehr Drama, Crescendo. Der Song schwingt sich auf und und und, und bricht wieder ein. Herrlich!

Wem dabei nicht die berühmte Gänsehaut wächst, der braucht hier wohl weder weiter zu lesen noch zu hören...

Dieser Song allein symbolisiert die ganze Fülle, die Komplexität und Verspieltheit, die Lust am Künstlichen und am Künstlerischen, womit dieses Album bis zum Rand gefüllt ist. Ladies & Gentlemen: Introducing: STARS, aus Montreal, Kanada (ja, viel Gutes aus Kanada zuletzt...). Aus dem Nest gefallen, das in Toronto (5 Stunden Fahrt) wiederum von einem ebenso romantisch veranlagten Kollektiv namens Broken Social Scene gebaut wurde. Längst flügge geworden und selbst als musikalische Herzensbrecher rasend erfolgreich im Sturmlauf durch Nordamerika. Die Medien liegen ihnen zu Füßen, die Konzerthallen füllen sich schneller als geplant. Und jetzt kommen sie zu uns! STARS hatten tatsächlich die Geduld, die Monate, in denen City Slang irgendwie indisponiert war, auszusitzen, denn sie wollten auf unserem Label erscheinen, und das ist gut so, denn wir beten sie an. Anbetungswürdige Popmusik findet sich hier in 53 Minuten und 13 Songs. Mit unverschämter Leichtigkeit werden große Emotionen in kleinen Miniaturen abgearbeitet, werden Melodien und Arrangements dahin geworfen, als wenn’s nichts Leichteres gäbe. Diese Platte wird noch so viele Herzen brechen, es wird eine Wonne sein, den STARS dabei zuzusehen.

Wir aber legen dieser unverholenen Schwärmerei lieber einen sehr aufschlussreichen Artikel aus der Kanadischer Presse bei, da steht mehr drin und wird mehr gesagt, als wir es jemals könnten. Wir müssen an dieser Stelle aufhören zu schwärmen, lassen uns lieber noch mal in Calendar Girl fallen, oder baden in der Intimität von Celebration Guns. Galoppieren mit bei der Hektik von Reunion (Live einer DER Höhepunkte des Sets!) und freuen uns darüber, dass STARS einem perfekten 3 Minuten Popsong ein spartanisch elektronisches Outro von 2 Minuten hinten dran kleben. Warum? Weil sie es können, weil sie es dürfen.

STARS sind:

Torquil Campbell – Gesang, Keyboards, Trompete / Evan Cranley – Bass, Gitarre, Posaune / Amy Millan – Gitarre, Gesang / Chris Seligman – Keyboards, Programmierung, Waldhorn / Pat McGee – Schlagzeug

 
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