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Patrice & Shashamani Band


Freitag   13/05 2005   20.00 h
Bielefeld, Ringlokschuppen
vvk: 21,90



Patrice & Shashamani Band

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Wasser spiegelt die Essenz des Lebens wider. Es ernährt alle Lebewesen, hat aber auch die Kraft zu zerstören; es heißt uns willkommen in der spirituellen Welt durch das Ritual der Taufe und trauert mit Tränen wenn wir gehen. Im Altertum drehte sich das Leben um die Häfen und Flüsse, die es hinab floss. Vor allem in der Wiege der Zivilisation: Ägypten. Der Nil war für die Ägypter die Quelle von Nahrung und Erholung; auf ihm fuhren wichtige Regierungsmitglieder oder Priester auf Geschäftsreisen und ihre Familien auf Vergnügungsfahrten. Und für Patrice war der Nil die Inspiration für sein neues Album.

Wie der Fluss, so ist auch das dritte Album von Patrice eine mystische Reise mit vielen Irrungen und Wirrungen. Aufgenommen wurde „Nile“ 2004, hauptsächlich in seinem eigenen Studio in der Nähe von Köln. Es ist das Werk eines sehr kreativen Kopfes auf dem Welten aufeinander prallen. Inspirationen geschöpft aus vergangenen Zeiten verknüpfen sich mit der Gegenwart: Patrice legt selbst bewusst sein musikalisches Manifest vor. Der 25-jährige Singer/Songwriter konzipierte diesen Longplayer im Jahr 2004 und setzte seine Ideen größtenteils mit Hilfe seiner Liveband Shashamani um [eine straffe Kombo bestehend aus Granville Thomas (Schlagzeug), Hillary „Izrah“ Williams (Gitarre/Vocals), Kirk „Adjani“ McDowell (Keyboards) und Philip „Soul“ Sewell (Bass)]. „Nile“ zeugt von langjähriger musikalische Erfahrung. Keine heftigen Samples oder hochrangige Gastauftritte. Dieser Old-School-Ansatz hat ein Album reich an Nuancen geboren.

Die Single „Soul Storm“ bestimmt das Tempo, während Patrice durch Skaville rollt. „We're walking down an alley/Now I'm talking spiritually/We've got one eye on the future and the other on our money” sinniert er. Mitgeschrieben und –produziert von Matt Kent und Cameron McVey (Produzent von Massive Attack, Youssou N’Dour & Neneh Cherry „7 Seconds“, Jamelia „See It In A Boys Eyes“ ) teilt Patrice seine Lebenserfahrung mit uns. Bei „It Hurts To Be Alone“ richtet er sein Augenmerk auf die Wurzeln des Reggae und liefert eine einfühlsame Coverversion eines wenig bekannten Wailers-Songs ab, während „Only Believers“ mit einem verschrobenen Hauch von Outkast in die Zukunft blickt. Die rotierenden Beats und die gesampleten Vocals-Fetzen des Songs bilden eine ideale Leinwand für Patrices Kommentar zu den modebewussten ‚Wagonists’, die selbst ihre persönliche Integrität für Mode opfern würden.

Patrice’ Musik verteidigt ein Kulturgut, das allzu oft missachtet wird, denn die Gesellschaft ist allzu leicht bereit, die Sicherheit alter Traditionen einzutauschen für die wagen Hoffnungen in neue Technologien. Mit dem Opener „Today“ – man achte auf den ominösen Gitarrenriff und die melancholischen Bläser - meldet sich Patrice zum Dienst in einem geistigen Krieg. „Music is my mission and Jah work’s my assignment“, singt er nachdenklich im Hinblick auf seinen Kampf ein bewusst denkender Mensch zu bleiben, auch in Zeiten der Not. Auf „Here Again“ optiert er für Veränderungen im Namen des Fortschritts und nicht des Profits. „Make sure that there's something left for those on the way/for a brighter day" singt er zu einem sanften akustischen Groove. Angesichts der Katastrophen in letzter Zeit – sowohl die menschlich verursachten als auch die naturbedingten – passt Patrices Botschaft von Verantwortlichkeit und Einheit gut in die Zeit.

Dennoch ist dies nicht der Stoff, aus dem idealistische Luftschlösser sind. „Gun“ vertreibt jeglichen Verdacht auf irgendwelche Anwandlungen, Bäume umarmen zu wollen. „Sometimes I wish I had a gun cos I don't want to talk to them/Don't get me wrong, I know it's wrong but I don't want to have to talk to them“ verkündet er angesichts von Nazismus und Gewalt auf den Strassen. „Talk to them, talk to them, deal with them, deal with them,“ erwidern die Backing-Vocals. Die Widersprüchlichkeit der Botschaft spiegelt die Versuchungen und Widerwärtigkeiten wider, mit denen viele konfrontiert sind, die einen gerechten Weg gehen wollen.

War sein letztes Album „How Do You Call It“ das Werk eines jungen Mannes, der sich mit persönlichen Dingen wie Liebe und Leben auseinandersetzt, so dokumentiert „Nile“ wahrhaftes Erwachsenwerden. Indem er sein kreatives Netz noch weiter spannt, kehrt Patrice mit einer Sammlung von Songs wieder, die ein breites Spektrum an gesellschaftlichen Themen anspricht. Natürlich ist Patrice nicht nur am Grübeln, wenn er es mit Amor aufnimmt. „Love never shot me with an arrow, this is a 45 magnum“ heißt es in dem Lied „Be Your Man“. Weitere Blessuren sind auf „Uncry“ zu hören, einem Track, der eine Art von Melancholie hervorruft, auf die sogar Coldplay stolz wären.

Die leidende Kopfstimme von Patrice ist wunderschön selbst in ihren unvollkommenen Momenten. Seine kompromisslose Seele erkennt eine Wahrheit an, die verletzt und ein Herz, das leidet. Indem er unter der Oberfläche schwarzer Musik gräbt, entdeckt er Gefühlsausdrücke, die tiefer gehen als die anzüglichen Absichten von modernem R&B und die blinde Wut von Hip Hop. Seine Musik ist eine Hommage an den Blues, der den Plantagen entkommen ist; eine Wut, die durch die Worte fließt; und das entfernte Dröhnen von afrikanischen Trommeln, die Meereswellen niemals übertönen könnten.

„Nile“ ist wahrlich ein verwegenes Unternehmen. Ob er nur zur elektrisch verstärkten Gitarre, dem explosivem Schlagzeug und der afrikanischen Percussion rockt, die den Mutterland-Funk von „Africanize Dem“ ausmachen, oder zu den treibenden Geigen ‚vibed’, die „Done“ untermalen, Patrice steht stets gegen „falsche Priester und Kriegsherren“. Es ist offensichtlich, dass das Herumexperimentieren seiner Arbeit eine unbestreitbare Eindringlichkeit und Frische verleiht.

Die Reise von Patrice endet in den ruhigen Gewässern spiritueller Resolution. „Slave To The River“ verzaubert die Sinne mit seiner betörenden Mischung aus Ur-Sprechgesang, hypnotisierender Percussion und einem eindringlichen Gitarrenriff.

„Nile“ zeugt von erstaunlicher Reife, Ehrlichkeit und Sensibilität. Zu Zeiten so gelassen wie ein See, so tobend wie reißendes Wildwasser oder so leise wie ein sprudelnder Bach, fließen seine Songs – ganz wie der große Fluss, der zu ihnen inspirierte – letztendlich alle zu einer ultimativen Bestimmung. Dies ist Rebel Music, inspiriert von der Quelle, der alles entspringt, und so militant wie Malcolm.

Viele der Songs von “Nile” werden zu den Highlights im Live-Set des 25jährigen Künstlers gehören, wenn er kurz nach VÖ ausgedehnt auf Tour geht:

18.04. – Köln, E-Werk / 19.04. – Hannover, Capitol / 20.04. – Hamburg, Docks / 21.04. – Bremen, Aladin / 22.04. – Münster, Jovel / 23.04. – Bielefeld, Ringlokschuppen / 25.04. – Offenbach, Capitol / 26.04. – A-Wien, Gasometer / 27.04. – A-Graz, Seifenfabrik / 29.04. – Leipzig, Werk 2 / 30.04. – Erfurt, Centrum / 01.05. – Berlin, Columbia-Halle / 03.05. – Mannheim, Capitol / 04.05. – München, Tonhalle / 05.05. – Stuttgart, Hegelsaal / 08.05. – CH-Zürich, Palais Xtra

Alain Clapham, London. Januar 2005.

 
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